25 Jahre St. Raphael
Eine neue Kirche entsteht
von Johann Krist
Die alte Dorfkirche St. Gallus war bei damals ca. 2 000 Katholiken
fast immer zu klein, so dass der damalige Pfarrer Alois Hurter mit seiner Kirchenverwaltung im Jahre 1966 das Grundstück des Bauern
Fischer (Angerbauer) zwischen Kobel- und Konrad-Kopp-Strasse zum Preis von DM 53,- pro m² kaufte, um hier eine neue Kirche zu errichten.
Durch
die bereits vorhandene Schule und einen geplanten Supermarkt (Markant) sollte ein neues Ortszentrum entstehen. Durch ein Konjunkturprogramm
der Bundesregierung konnte bereits 1975 bei einer Bauzeit von nur einem Jahr ein neuer Kindergarten auf diesem Grundstück eingeweiht
werden.
Nach einer längeren Verschnaufpause sollte nun auch der Bau einer neuen Kirche mit Pfarrzentrum angegangen werden.
Schon
zu Pfarrer Hurters Zeiten war der Name St. Raphael angedacht. Er würde gut zu den Nachbarpfarreien St. Gabriel in Deuringen und St.
Michael in Pfersee passen. Über Nacht, der Rohbau war weit fortgeschritten, wurde die Namensgebung neu aufgerollt. Einige konnten
sich auch eine Kirche mit dem Namen "Maria und Martha" gut vorstellen. Die Steppacher waren aber schon so auf St. Raphael abgefahren,
dass nach einer Abstimmung die große Mehrheit beim ursprünglichen Namen blieb. Noch dazu war eine neue Apotheke am Dreieck auch schon
auf den Namen St. Raphael getauft.
Die Verwirklichung der Neubaupläne gestaltete sich anfangs schwierig. Die vom Architekten
des Kindergartens vorgelegten Entwürfe fanden nicht die Zustimmung der erweiterten Kirchenverwaltung. Nach mehreren Gesprächen mit
dem bischöflichen Ordinariat, das im Wesentlichen die Finanzierung übernahm, konnte dieses überzeugt werden, einen Planungswettbewerb
auszuschreiben, so dass die Kirchenverwaltung die Möglichkeit hatte, aus mehreren Entwürfen den zweckmäßigsten auszuwählen. Unter
5 oder 6 eingereichten Planungen erschien dann die ausgeführte Lösung der Architekten Rubner und Gerum am sinnvollsten.
Mit dem
vom Ordinariat vorgeschlagenen Künstler, Herrn Grübel aus der Ammerseegegend, wurde dann die Planung der künstlerischen Ausgestaltung
des Inneren der Kirche angegangen. Allen war bewusst, dass sich die Gemeinde vorerst nur das unbedingt Notwendige leisten konnte,
und dass die Gesamtausstattung aus finanziellen Gründen wahrscheinlich auf mehrere Generationen verteilt werden muss.
In Auftrag
zu geben waren der Altar, der Tabernakel, der Ambo und der Taufstein, da diese zur Einweihung notwendig waren. Mehrere Modelle im
Atelier des Künstlers wurden begutachtet, das vorgesehene Material ausgewählt und dem Auftrag zugestimmt.
Nach den Vorstellungen
des Künstlers könnte die Innenausstattung von St. Raphael so gestaltet werden:
Der Tabernakel sollte im Mittelpunkt liegen, links war
der Taufstein vorgesehen. Von dort beginnend sollte an der Wand bis in die holzverkleidete Schräge hinein pastellfarben die Erschaffung
der Welt bis zur Geburt Christi als Mittelpunkt im Tabernakel und weiter das Leben Christi bis zur Auferstehung als Wanddeckengemälde
dargestellt werden. Als Höhepunkt war ein farbiges Glasfenster mit Auferstehungsmerkmalen über dem Beichtstuhl angedacht. Die notwendigen
Kreuzwegstationen bez. die Apostel sollten als Stelen vor der umlaufenden Außenwand aufgestellt werden. Die angedachten Engelflügel
um den Tabernakel wurden durch den Künstler überraschend aufgebaut und verursachten heftige Diskussionen. Nach einigen Erläuterungen
durch Fachleute und sinngebenden Prdigten hatte sich danach die Stimmung unter dem Kirchenvolk auch wieder beruhigt.
An der Säule am
Haupteingang könnte ein großer Engel Raphael als Patron die Entretenden grüßen...
Ob von den Ideen des Künstlers etwas übrig bleibt,
ist zu bezweifeln. Wahrscheinlich werden andere Generationen andere Ideen haben.
Zur Erläuterung seiner Ideen wurde vom Künstler
ein Modell der Kirche gefertigt, in welchem auch der Innenraum detailliert dargestellt war. Störend empfanden alle Beteiligten die
angeblich notwendigen Verspannungen der Innenstützen mit Stahlstangen. Bei rechtzeitiger Beachtung hätten diese sicher vermieden werden
können. Beim damaligen Baustand war aber eine Änderung leider nicht mehr möglich.
Es muss um Weihnachten 1980 gewesen sein, als
Pfarrer Klotz sich mit den Neubauplänen beschäftigte und über die Größe der Baumaßnahme erhebliche Zweifel bekam. Gleich zu Jahresanfang
wurde eine Sondersitzung einberufen, in der er erläuterte, warum er der Ansicht war, dass die Raumplanung zu groß ausgefallen sei
und die geplanten Räume vielleicht nicht mit Leben erfüllt werden könnten.
Da alle bisherigen pfarrlichen Veranstaltungen im
Gymnastikraum des Kindergartens durchgeführt wurden und meist ausreichend Platz vorhanden war, konnten die Bedenken von Pfarrer Klotz
nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Erfahrungen mit kirchlichen Veranstaltungen außerhalb von Gottesdiensten fehlten,
und so konnte niemand verantworten, ein leeres Pfarrzentrum zu unterhalten. In Absprache mit dem Diözesanbauamt wurde deshalb
der Architekt gebeten, die Größe des Pfarrzentrums auf eine verantwortbare Baumasse zu reduzieren. Bei diesen Gesprächen war auch
der Finanzreferent der Diözese beteiligt. Als ihm die Pläne erläutert wurden, war er mit dem geplanten Orgelstandort links auf Altarebene
nicht einverstanden, sondern forderte dringend den Einbau einer Orgelempore. Probleme mit fehlendem Platz und verdecktem Orgelprospekt
ließ er nicht gelten. Aber auch hier galt: "Wer zahlt, schafft an." Was dabei herauskam, ist ja sichtbar und sicher auch nicht ganz
glücklich.
Dass diese Abspeckung im nachhinein gesehen falsch war und der Pfarrsaal 20 Jahre später mit erheblichem Aufwand erweitert
werden musste, konnte man damals nicht ahnen. Dank visionärer Geistlicher hat sich unsere Gemeinde zu eine blühenden Gemeinschaft
entwickelt, in der sich viele mit unterschiedlichen Aktivitäten gerne einbringen, jeden Tag das Pfarrzentrum mit Leben erfüllen und
so zum Zusammenhalt aller beitragen.